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2008
September:
04.09.2008: Militärhistorische Exkursion Ukraine / Krim (Seite 1)
Reservisten auf den Spuren Ihrer Großväter in der Ukraine und
auf der Krim,
Verantwortung vor der Geschichte, der Gegenwart und Zukunft kann nur
erwachsen wenn man sich eingehend mit der Geschichte und den Gegebenheiten
auseinandersetzt und diese regelrecht "begreift".
So machten sich acht Kameraden der Reservistenkameradschaft Murrhardt im
September 2008 mit eigenen Fahrzeugen auf den weiten Weg in die Ukraine und
die Krim.
Als erstes Ziel wurde die Stadt
Tschugujew bei Charkow angesteuert, wo man sich mit den Kameraden der
Militärhistorischen Gesellschaft und der Offiziergesellschaft Charkow traf.
Nach kurzem offiziellem Besuchsprogramm und
kameradschaftlicher Begegnung, setzte sich eine achtzehnköpfige Gruppe in
Marsch auf die Krim.
Bis dato war dies nicht klar, da man über die
Lageentwicklung in Georgien und die innenpolitische
Situation der Ukraine und Russlands nicht ganz sicher sein konnte. In einer
13-stündigen Nachtfahrt quer durch das Land kam man, an einem sonnigen
Morgen, in der Nähe von Sewastopol an.
Die südliche
Sonne hatte den Nordteil der Krim mit ihren ewigen Steppen verbrannt.
Simpferopol die Hauptstadt lag unter einer Staub- und Dunstglocke, doch das
lapislazuliblaue Meer strahlte unterhalb der Höhen um Sewastopol.
Ein komfortables Hotel, gleich neben einer ruinösen Seebatterie aus dem
Krimkrieg 1855, begrüßte die hoch motivierte Gruppe.
Sogleich erkundete man
die umliegenden Hügel und Gegend mit den mitgebrachten
Feldstechern und Donnerschlag ! -- Hinter einer völlig neu aufgebauten
Kapelle am Hang -eine extrem große, kaum erfassbare Geschützstellung mit
zwei Drillingsgeschützen - riesige Militäranlagen : Maxim Gorki 1 das
legendäre Panzerfort wurde ausgemacht.
So wurde gleich beschlossen diese
Seebatterien zu erkunden. Doch STOP ! Keine Ruinen oder alte Museumstücke,
die 370mm Geschütze sind in perfektem Zustand, umgeben in einem
Sicherheitsbereich und bewacht von der russischen Marine. Kein Hindernis,
schließlich ist die Gruppe in Begleitung der ukrainischen Freunde......
Am nächsten Tag stand der Besuch des Deutschen
Soldatenfriedhofs in
Gotscharnoje bei Sewastopol an.
Eine sehr gepflegte Anlage in einem Eichenhain, mit einer gut deutsch
sprechenden Verwalterin.
Was war da zu hören? Vertraute Sprache - ein Bus
Landsleute, eine Gruppe des
Volksbundes kam geradewegs aus dem Kaukasus von der Einweihung des
Soldatenfriedhofs der 13er in Apscheronsk, Reservistenkameraden aus Franken
und der Oberpfalz, - ein freundschaftliches Treffen und großes Hallo war
sicher.
Die Murrhardter Reservisten legten zusammen mit ukrainischen und russischen
Kameraden ein Gebinde nieder - selbstverständlich. Nicht Selbstverständlich
ist die außerordentlich große Gastfreundschaft
der dortigen Kameraden. 1918 Deutsche Besetzung der Ukraine und Krim, gerade
durch Württemberger.
Dann der russische Bürgerkrieg und die Revolution, die
Deutsche Besetzung im 2.Weltkrieg und das unendliche
Leid, sowie der Kalte Krieg - keine guten Voraussetzungen für
Freundschaft... und doch der Georgienkrise zum Trotze, der innige und
ehrliche Wunsch auf einen friedlichen Zusammenhalt Europas.
Den Reservisten aus Murrhardt wurde schnell klar, welche "Machtspiele" im
nahen Kaukasus seitens Amerika inszeniert wurden, die Russen und Ukrainer
wollen (brauchen) Frieden, denn die Gefahr in einem
unseligen Bürgerkrieg, Desaster a la Balkan, zu enden ist zu groß. In
Sewastopol besichtigte die Gruppe die Schlachtfelder des Krimkriegs 1855.
Die Worte des Schriftstellers und Offiziers Leo Tolstoi in den Ohren , die
Stadt ,den Hafen und damit die umstrittene Schwarzmeerflotte , vor Augen und
den Mund offen vor Staunen ...........
Bei einer Überfahrt mit einer Fähre durch die weite Bucht konnten die
Schiffe, der Raketenkreuzer "Moskwa" und weitere Zerstörer ganz aus der Nähe
betrachtet werden....
Selbst am Strand, plötzlich, ein für die Schwaben
ungewohnter Anblick, das Atom-U-Boot "Alrosa" in voller Größe 250m Stahl,
schwarz, schauerlich - und das beim erfrischenden Bade im schweren und von
Gischt schäumenden Schwarzen Meer. Jalta, ein Paradies ist die Südseite der
Krim. Eine Luft, ein Duft wie in einem Teegeschäft....Sonne, Hochgebirge ,
exotische Blumen, alte und neue Paläste.
Gegenwart und reiche Geschichte,
von Odysseus und Iphigenie bis Manstein und Stalin.
Der Livadija-Palast wurde besucht. Ort der Jalta-Konferenz -doch auch
Gedenkstätte für die ermordete Zarenfamilie, die dort kurz vor der
Revolution noch lebte und wirkte.
Spuren wurden gefunden, Spuren eines
adligen Pagen aus dem Pagenkorps des Zaren ( Boris von Neidhardt ) der dort
seinen treuen Dienst verrichtete und 1945 als Dolmetscher des GFM Paulus in
Stalingrad gefangen genommen wurde, jedoch 1970 in Murrhardt verstarb -so
klein , so direkt ist die Weltgeschichte.
Verantwortung die die Reservisten
mittragen Geschichte, Gegenwart und Zukunft Europas. Nicht nur Worte, Taten
sind es, deshalb wird die Freundschaft zwischen der RK Murrhardt und den
Kameraden in Tschugujew weiter wachsen. Zum Volkstrauertag im November
erfolgt der Gegenbesuch.
Resümee : Die Ukraine und Russland müssen die
ehrliche Chance haben in das gemeinsame europäische Haus einzuziehen, völlig
egal was der unsichere Nachbar über dem großen Teich davon hält......
Unseren Großvätern und allen Opfern der jüngeren Geschichte,
sind wir
jungen Reservisten diese Verantwortung schuldig, wenigstens nur das und
einen ehrlichen Frieden.

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