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2010

Februar:

11.02.2010: Gedanken zu Mittenwald (ein Leserbrief), von Christian Schweizer

Gedanken zu  Mittenwald

Ein gefundenes Fressen – das man, pardon „zum Kotzen“ finden kann. Zielgerichtet geht es nur darum, den BMVg zu Guttenberg   bloß zustellen und in ein schlechtes Licht zu rücken, damit man sieht aus welchem „Stall“ ( GebJgBtl 233 ) er stammt. Ein erklärtes Interesse gewisser Kreise mit Hilfe mancher Journalie.  Vorab, solche oder andere geschmacklose Initationsriten finden bei mir keine Zustimmung und als ehem.Gebirgsjäger distanziere ich mich von solcher Dummheit. Zur Erklärung dienen auch Vergleiche mit den weit verbreiteten „Ritualen“ andere Truppengattungen und in anderen Standorten nicht. Doch muss man die Sachlage in einen Zusammenhang stellen – Traditionen und Traditionsbewusstsein.

Wenn man einer Armee eine tatsächliche Traditionspflege nimmt,  oder zu nehmen versucht, wird diese durch Pseudospielchen ersetzt.  Aufnahmerieten sind Jahrhunderte alt, in allen Gesellschaftsschichten vorhanden, seien es Gesellentaufen oder Freimaurerweihen. Es ist nicht die  Bundeswehr alleine- wie dargestellt, die mit solchen Dingen zu tun hat. Polizeihundestaffeln, Pfadfinder, Studenten, Feuerwehren, Karnevalsvereine……. Man muss im Internet nur mal recherchieren um in der Gesellschaft diesen Unbrauch zu erkennen. Selbst auf den französischen Eliteschulen gibt es eine „Bizutage“ . – Seeleute kennen die“ Äquatortaufe“ und mancher Fußball-  oder Reiterclub das“ Stiefelsaufen“….. Es ist kein spezifisches Bundeswehrproblem.  Problematisch ist wenn man meint,  man müsste die angloamerikanischen Riten, der US-Marines oder  der   GB- Garderegimenter „kopieren“. 

Die Bundeswehr kennt dazu das Soldatengesetz -- §12 Pflicht zur Kameradschaft. Dies kann man mit Selbstkontrolle und Pflicht zur Freundschaft  beschreiben. Kontrollieren kann das die Gesellschaft nur durch eine ständige „Infiltration“ der Armee – und diese nennt sich Wehrpflicht. Eine in sich geschlossene Berufsarmee, wie von einigen politischen Irrläufern gefordert,  bringt nur noch mehr falschen Korpsgeist.

Trotz dieser Dinge meine ich, dass man als Gebirgsjäger , Ehemaliger und Reservist, die Bergmütze und das Edelweiß mit Stolz tragen darf und soll – gerade das Edelweiß ist eine Tradition die wie keine andere Lebensmut und Heimat symbolisiert. Neben dem Jägerbruch und dem FschJg-Adler das einzige Mützenabzeichen, das keine Waffe oder Technik „verherrlicht“ und für eine blühende Zukunft,  eine positive Chance steht --- wenn ich daran denke wie viele Gebirgsjäger unter Einsatz ihre Lebens auch Menschenleben gerettet haben.

Vielleicht kann eine interne Diskussion im Kameradenkreis einen Impuls gegen falsche Traditionsentwicklungen erwirken.

Christian Schweizer